DIE KUNST DES DESTILLIERENS


 Wer die Kunst, das Essentielle einzufangen, beherrschen möchte, sollte ein paar Sachen über das Destillieren verinnerlichen.

Kupferdestille Thermometer
Hydrolate Tropfen

+ Thermisches Trennverfahren +  Die Destillation ist ein thermisches Trennverfahren, bei welchem ein flüssiges Gemisch aus verschiedenen Stoffen getrennt wird. Hier macht man sich die Siedetemperatur von Wasser zunutze, welche bei 100°C liegt. Durch das Sieden des Wassers, dem Kernprozess der Wasserdampfdestillation, kann der Dampf auf seinem Weg durch die Destille tief in die Pflanzenteile eindringen, sämtliche Inhaltsstoffe lösen und ins entstehende Destillat überführen. Auf diese Weise kommt der Geist in die Flasche.   

+ Destillation von Hydrolaten +  Die Wasserdampfdestillation wird verwendet, um feinste Hydrolate herzustellen. Dabei wird Wasser in einem Kessel zum Sieden gebracht und der entstehende Wasserdampf durch das darüber befindliche Pflanzengut geleitet. Auf diesem Wege werden alle löslichen Bestandteile aus dem kostbaren Material mitgenommen. Der angereicherte Wasserdampf gelangt danach ins sogenannte Geistrohr und weiter in eine Kupferspirale, die von außen mit ständig nachfließendem Wasser gekühlt wird. Schließlich wird der begehrte Tropfen aufgefangen und bildet am Ende das Hydrolat mitsamt den in der Pflanze natürlich enthaltenen ätherischen Ölen.  

Kühlung Destillation
ätherische Öle

+ Einen kühlen Kopf bewahren +  Eine gute Kühlung bei der Wasserdampfdestillation ist das A und O. Hier wird das Wasser wieder von seinem gasförmigen in den flüssigen Zustand überführt, damit das Destillat am Ende auch in der Flasche aufgefangen werden kann und nicht als gehaltvoller Dampf entweicht. Über einen Wasserdruckbehälter wird ständig neues, frisches und kaltes Wasser in den Külhler der Destille nachgepumpt. Das warme Wasser, das bei der Kühlung des in der Kupferspirale befindlichen Wasserdampfes entsteht, wird oberhalb am Kühler wieder abgelassen und aufgefangen. Hier arbeitet das sogenannte Gegenstromprinzipg. Um zu überprüfen, ob die Kühlung zufriedenstellend verläuft, kann man in regelmäßigen Abständen die Wassertemperatur im Kühler kontrollieren. Das geht zum Beispiel durch das vorsichtige Fühlen der Temperatur mit der bloßen Hand. Wenn das Wasser unten am Auslass noch schön kühl ist und nach oben hin zunehmend wärmer wird, ist das ein gutes Zeichen. Findet man am gesamten Kühler eine gleichbleibend warme Temperatur vor, sollte man den Wasserdurchfluss erhöhen, damit sich das Destillat nicht direkt am Auslass wieder verflüchtigt.   

+ Ätherische Öle +  Ätherische Öle sind leicht flüchtige Substanzen,  die sich aus verschiedenen organischen Stoffen, zumeist  Alkoholen, Estern, Terpenen und Ketonen, zusammensetzen.  Manche Pflanzen, wie zum Beispiel Lavendel oder Rosmarin, sind besonders reichhaltig an ätherischen Ölen. Pflanzen produzieren ätherische Öle, da der intensive Geruch sowohl Insekten zur Bestäubung anlocken, aber auch mögliche Schädlinge von ihnen fernhalten soll. Einige Pflanzen wie Kamille beinhalten eher wenig ätherisches Öl, das sich aber spannender Weise durch den Destillierprozess blau färbt. Das ätherische Öl von Zimt zeichnet sich hingegen dadurch aus, dass es schwerer als Wasser ist und sich nach der Destillation am Flaschenboden absetzt. Wird der der natürliche Anteil ätherischer Öle, der bei der Wasserdampfdestillation entsteht, im Hydrolat belassen, erhöht sich die Qualität des Produkts. Die ätherischen Öle sorgen für eine längere Haltbarkeit, wirken also sozusagen als natürliches Konservierungsmittel, und intensivieren den Duft des entstandenen Hydrolats.

Lavendel Mörser Pistill
Kupfer

+ Sinnvolle Vorbereitungen für bessere Resultate  +  Möchte man ein gelungenes Hydrolat herstellen, kann es bei einigen Pflanzen, wie Lavendel definitiv von Vorteil sein, wenn man das Destilliergut im Vorfeld etwas bearbeitet. Ein ganz zartes "Anknacken" der Lavendelblüten mit Mörser und Pistill verspricht eine deutlich reichere Ausbeute. Dabei sollte man aber darauf achten, die schönen Blüten nicht komplett zu Brei zu verarbeiten. Sind die Blüten dann leicht aufgebrochen, bietet man dem Wasserdampf bei der Destillation mehr Angriffsfläche. Man sollte außerdem darauf achten, dass die verwendeten Pflanzenteile von hervorragender Qualität sind. Eine saubere Arbeitsweise ist genauso essentiell, damit am Ende ein betörendes und lange haltbares Hydrolat entstehen kann. 

+ Wertvolles Kupfer +  Wenn man ans Destillieren denkt, denkt man sofort an diese edlen Kupferdestillen. Es hat mehrere Gründe, warum Kupfer ein so beliebtes Material für die Destillation ist. Es besitzt zum Beispiel eine ausgezeichnete Wärmeleitfähigkeit, was garantiert, dass der Inhalt gleichmäßig erhitzt wird. Außerdem sollen Hydrolate, die in Kupferdestillen hergestellt wurden, länger haltbar sein, als solche aus Glas- oder Edelstahdestillen. Dies kommt durch die Kupferiionen, die eine keimhemmende Wirkung besitzen und außerdem bei der Destillation entstehende Fettsäuren und Schwefelwasserstoffe binden.

Hydrolat Hagebutten
pH-Wert-Messung

+ Ergiebigkeit +  Zur Ergiebigkeit der Destillation findet man immer wieder verschiedene Angaben. Allgemein wird oft festgestellt, dass das Verhältnis 1 : 1 von Pflanzenmaterial zu entstehendem Hydrolat einen guten Richtwert darstellt. Das heißt, dass zum Beispiel 200g Hagebutten auch 200g Hagebuttenhydrolat ergeben. Bei getrockneten Pflanzen ist die Ausbeute ergiebiger, so dass man meist weniger Pflanzenmaterial benötigt. Gerade bei Pflanzen, die sehr intensiv duften und viel ätherisches Öl enthalten  (z.B. Lavendel) , kann es durchaus sinnvoll sein, auch mal weniger Material als Ausgangsstoff zu nehmen.

+ Sauer hilft weiter +  Hydrolate sind schwach sauer und pegeln sich meist bei einem pH-Wert zwischen 4 und 6 ein. Der pH-Wert ist ein gutes Qualitätsmerkmal, denn weicht er vom für das Pflanzenwasser typischen Richtwert ab, kann dies auf eine Verkeimung hindeuten. Kippt ein Hydrolat, nähert sich der pH-Wert langsam dem neutralen Bereich an. Im Allgemeinen kann man sagen, je saurer der pH-Wert, desto länger wird sich das Hydrolat auch halten.

Fraktionen Hydrolat
Hydrolate Reifung

+ pH-Wert als Kontrollinstrument +  Der pH-Wert ist außerdem bestens geeignet, um den Destillationsprozess zu überwachen, da er auch Rückschlüsse auf den Anteil der wasserlöslichen Stoffe aus dem Pflanzenmaterial im Hydrolat ermöglicht. Je saurer der pH-Wert, desto mehr Inhaltsstoffe sind logischer Weise enthalten. Nähert sich der pH-Wert während der Destillation langsam dem neutralen Bereich, sollte man den Prozess abbrechen. Auf diese Weise kann man sehr gut ermitteln, wieviel Pflanzenmaterial für welche Menge Hydrolat benötigt wird. Da die für die Wasserdampfdestillation verwendeten Pflanzen von Jahr zu Jahr ganz unterschiedliche Qualitäten aufweisen, lohnt es sich, den pH-Wert der einzelnen Fraktionen, die während der Destillation entstehen, regelmäßig in kleinen Testreihen zu überprüfen. Somit dient der pH-Wert bestens als Kontrollinstrument im eigenen Qualitätsmanagement.

+ Gut Ding will Weile haben +  Frisch aus der Destille riechen die meisten Pflanzenwasser schon unglaublich gut. Eine angemessene Reifung an einem kühlen dunklen Ort kann den Geruch des Hydrolats aber noch verfeinern. 2 - 4 Wochen kann man ein Hydrolat dann durchaus schonmal ruhen lassen, bevor man es zur intensiveren Anwendung nutzt. Wenn man hygienisch vorbildlich arbeitet und nur beste Ausgangsstoffe wie gefiltertes Reinstwasser nutzt, sind Hydrolate insgesamt bis zu mehreren Monaten und in manchen Fällen sogar bis zu Jahren haltbar.